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Science-based

Die Wissenschaft hinter PairPattern©

Aus eigener Erfahrung geboren. Auf Forschung aufgebaut. PairPattern© entstand aus 17 gemeinsamen Jahren, in denen wir füreinander erst spät die richtigen Begriffe fanden. Die Fragen, die Dimensionen und die Auswertung dahinter stehen auf einem anderen Fundament: auf peer-reviewter Forschung zu Autismus, ADHS, Camouflaging und den geschlechtsspezifischen Unterschieden in Diagnose und Alltag. Auf dieser Seite legen wir dieses Fundament offen, Quelle für Quelle.

Warum ein Reflexionswerkzeug ein Fundament braucht

Die Forschung der letzten 15 Jahre hat das Bild der Neurodivergenz grundlegend erweitert. Autismus-Diagnosen bei Erwachsenen haben sich in den USA zwischen 2011 und 2022 mehr als verdreifacht (Grosvenor et al., 2024), und der Anteil spät erkannter Frauen wächst dabei am schnellsten (Harrop et al., 2024). Hinter diesen Zahlen stehen Paare, die jahrelang Reibung erlebt haben und erst spät eine Erklärung fanden.

PairPattern© übersetzt diesen Forschungsstand in 50 alltagsnahe Fragen, damit genau diese Paare ihre Muster früher erkennen und besprechen können. Jede der zehn Dimensionen geht auf beschriebene, untersuchte Phänomene zurück.

Die zehn Dimensionen und ihre Forschungsbasis

Kommunikation & Direktheit

Wörtliches Verstehen und direkte Sprache gehören zu den am besten beschriebenen Kommunikationsmerkmalen im Spektrum. Die Forschung zum Double-Empathy-Problem zeigt: Missverständnisse entstehen zwischen zwei Kommunikationsstilen, beide Seiten übersetzen.

Milton, 2012 · Crompton et al., 2020

Masking & soziale Energie

Masking, das bewusste oder unbewusste Anpassen des eigenen Verhaltens, ist mit validierten Instrumenten messbar (CAT-Q) und in systematischen Reviews umfassend beschrieben. Die Forschung verbindet intensives Masking mit Erschöpfung und spätem Erkennen, besonders bei Frauen.

Hull et al., 2019 · Cook et al., 2021

Emotionsverarbeitung & innere Welt

Etwa jede zweite autistische Person erlebt Alexithymie, also Schwierigkeiten, eigene Gefühle zu identifizieren und zu benennen. Intensives Fühlen und schwieriges Benennen schließen einander dabei ausdrücklich ein, genau diese Spannung bildet die Dimension ab.

Kinnaird et al., 2019

Sensorik & Nähe

Sensorische Über- und Unterempfindlichkeit ist seit 2013 offizielles Diagnosekriterium im DSM-5, ihre Verbreitung im Spektrum ist metaanalytisch belegt. Berührung, Geräusche und Reizdichte prägen Nähe in Paarbeziehungen unmittelbar.

Ben-Sasson et al., 2009

Struktur & Routinen

Das Bedürfnis nach Vorhersehbarkeit und die Belastung durch Planänderungen sind als Kernmerkmale beschrieben, die Forschung zur Unsicherheitsintoleranz erklärt den Mechanismus dahinter.

Boulter et al., 2014

Identität & Selbstbild

Studien zu spät diagnostizierten Frauen zeigen, wie stark jahrelanges Rätseln über das eigene Anderssein das Selbstbild formt, und wie entlastend eine Erklärung wirken kann.

Leedham et al., 2020

Hyperempathie & Resonanz

Die Forschung hat das alte Klischee vom Empathiemangel differenziert: Viele Menschen im Spektrum nehmen die Gefühlszustände anderer verstärkt auf und brauchen danach Zeit für sich.

Fletcher-Watson & Bird, 2020

Spezialinteressen & Hyperfokus

Intensive Interessen sind mit Wohlbefinden, Kompetenz und Flow verbunden. In Beziehungen werden sie zur Ressource, sobald beide verstehen, welche Rolle sie im Energiehaushalt spielen.

Grove et al., 2018

Aufmerksamkeit & Spontanität

Autismus und ADHS überlappen sich häufig und teilen genetische Grundlagen. Impulsivität, Reizoffenheit und wechselnde Aufmerksamkeit gehören deshalb in jedes vollständige Paarprofil.

Rommelse et al., 2010

Zeitgefühl & Alltagssteuerung

Exekutive Funktionen wie Planen, Priorisieren und Zeiteinschätzung arbeiten neurodivergent oft anders, das ist metaanalytisch gut belegt. Im Paaralltag entscheidet diese Dimension über Pünktlichkeit, Haushalt und gefühlte Verlässlichkeit.

Demetriou et al., 2018

Wie die Fragen gebaut sind

Hinter den 50 Fragen stehen bewusste methodische Entscheidungen. Jede Dimension wird über fünf Aussagen erfasst, beantwortet auf einer fünfstufigen Zustimmungsskala von „Stimmt gar nicht“ bis „Stimmt voll und ganz“. Mehrere Dimensionen enthalten ein umgekehrt gepoltes Kontroll-Item, eine Standardtechnik der Fragebogenkonstruktion gegen automatisches Durchklicken: Wer aufmerksam antwortet, produziert ein konsistentes Profil.

Ausgewählte Fragen bieten zusätzlich eine „Ich weiß es nicht“-Option, denn bei Themen wie Emotionsverarbeitung, Identität und Zeitgefühl ist genau dieses Nichtwissen ein aussagekräftiges Signal, das die Auswertung berücksichtigt. Die Dimension Emotionsverarbeitung arbeitet mit geschlechtsspezifischen Fragensets, weil die Forschung hier die deutlichsten Unterschiede zwischen weiblichem und männlichem Erleben beschreibt; wer sich außerhalb dieser Kategorien verortet, wählt das Set, das der eigenen inneren Erfahrung näher kommt. Alle Inhalte existieren gleichwertig auf Deutsch, Englisch und Spanisch.

Was PairPattern© leistet, und wo Fachleute übernehmen

PairPattern© ist ein Selbstreflexions- und Gesprächswerkzeug. Es macht Wahrnehmungsunterschiede sichtbar, gibt Paaren eine gemeinsame Sprache und liefert im 64-seitigen Praxisguide konkrete, alltagstaugliche Strategien. Das Ergebnis stellt keine medizinische oder psychologische Diagnose dar. Für eine klinische Abklärung sind spezialisierte Fachärztinnen, Therapeuten und Beratungsstellen die richtige Adresse, und ein PairPattern©-Profil kann ein hilfreicher, strukturierter Einstieg in genau dieses Fachgespräch sein.

Literatur

  1. Ben-Sasson, A. et al. (2009). A Meta-Analysis of Sensory Modulation Symptoms in Individuals with Autism Spectrum Disorders. Journal of Autism and Developmental Disorders.
  2. Boulter, C. et al. (2014). Intolerance of Uncertainty as a Framework for Understanding Anxiety in Children and Adolescents with Autism Spectrum Disorders. Journal of Autism and Developmental Disorders.
  3. Cook, J. et al. (2021). Camouflaging in autism: A systematic review. Clinical Psychology Review.
  4. Crompton, C. J. et al. (2020). Autistic peer-to-peer information transfer is highly effective. Autism.
  5. Demetriou, E. A. et al. (2018). Autism spectrum disorders: a meta-analysis of executive function. Molecular Psychiatry.
  6. Fletcher-Watson, S. & Bird, G. (2020). Autism and empathy: What are the real links? Autism.
  7. Grosvenor, L. P. et al. (2024). Autism Diagnosis Among US Children and Adults, 2011–2022. JAMA Network Open.
  8. Grove, R. et al. (2018). Special interests and subjective wellbeing in autistic adults. Autism Research.
  9. Harrop, C. et al. (2024). Are the diagnostic rates of autistic females increasing? Journal of Child Psychology and Psychiatry.
  10. Hull, L. et al. (2019). Development and Validation of the Camouflaging Autistic Traits Questionnaire (CAT-Q). Journal of Autism and Developmental Disorders.
  11. Kinnaird, E., Stewart, C. & Tchanturia, K. (2019). Investigating alexithymia in autism: A systematic review and meta-analysis. European Psychiatry.
  12. Leedham, A. et al. (2020). „I was exhausted trying to figure it out“: The experiences of females receiving an autism diagnosis in middle to late adulthood. Autism.
  13. Milton, D. (2012). On the ontological status of autism: the „double empathy problem“. Disability & Society.
  14. Rommelse, N. N. J. et al. (2010). Shared heritability of attention-deficit/hyperactivity disorder and autism spectrum disorder. European Child & Adolescent Psychiatry.

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